AW28 - Autismus und Freundschaft

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Hey Ihr,

Paula, Kali und Rebecca unterhalten sich über Autismus und Freundschaft. Ein wichtiges, spannendes und vielfältiges Thema. Wir stellen fest, Freundschaft ist Liebe. Außerdem haben wir sehr viel Feedback von Autist*innen bekommen, dass wir sehr gerne mit euch teilen. Wir wünschen euch viel Spaß mit unserem Podcast und gute Freundschaften, die euch glücklich machen.

Gruß Paula, Kali und Rebecca

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Eine Antwort zu „AW28 - Autismus und Freundschaft

  1. Hi ihr lieben und grüße aus der Podcastwelt.

    eine sehr interessante Sendung wieder einmal. Diesmal dachte ich, schreibe ich euch auch einmal: so von Podcastkollegen zu Podcastkolleginnen 😉

    Ich gebe zu, euch gerade erst entdeckt zu haben (und noch fleißzig am Nachhören). Paula kenne ich noch von einen der vielen Teffen auf der Subscribe. Und mit Malik hatte ich ja schon genug bei Ultraschall zu tun. Da ich selber aber aus Zeitgründen eigentlich nicht mehr viel Podcast höre, auch wenn es eines meiner philosophischen Forschungsthemen ist, gebe ich zu, zur Zeit ein wenig mehr Ruhe zu brauchen als erwartet. Tatsächlich muss ich zugeben, dass ich in meinem Leben vorab nicht mit Autismus in Berührung kam. Eher mit anderen Themen, die hier den Rahmen sprengen würden. Selbst einer zu sein war mir wenig klar. Aber ich wusste auch was und wie ich bin. Es war mir bis dato egal (wohl auch heut). Tatsächlich falle ich so (kaum) in der Menge auf. Viele halten mich auf dem ersten Blick eher für etwas komisch oder wenn es um Logik und Zusammenhänge geht, eher als sehr Harsch, vielleicht auch Arrogant – man sieht es ja nicht.

    Für mich jedoch sehr einfach. Tatsächlich liegt es daran, dass ich als Logiker und auch mit Hochbegabung es sicher etwas einfacher in anderen Punkten habe. Auch wenn ich nicht sagen würde das mein Leben je einfach war. Unter den Philosophen und Philosophinnen nicht aufzufallen, dazu bedarf es, nun ja, sicher weniger Kompetenz – haben ja alle eine recht kontroverse Art. Mich stört das gemeine und soziale Verhalten das mir dabei zu Teil wird, jedoch nicht wirklich. Da ich letztlich keine Meinung(en) vertrete, sondern logische- und wissenschaftliche Tatsachen. Ich selbst kann meist die Dinge deutlich voneinander trennen, als meine Arbeitskolleg*innen, da die Rückmeldungen oft Fehlschlüsse, wüsten Behauptungen, absichtlich falsche [/dumme] Argumente sind. Das muss einem ja nicht gefallen. Tatsächlich kommt es nur selten vor, dass mir jemand direkt Droht oder schlimmeres erhalte. Ich fand es in einer Sendung aber sehr interessant als Rebecca meinte, dass sie es erstaunlich finde, wenn wir als Autist*innen nie die Person angreifen, sondern immer die Argumente. Diese Weisheit und geistige Errungenschaft, würde ich mir von vielen NTs (vorzugsweise der Podcast-Szene) sehr wünschen.

    Von vielen wird mir immer schnell vorgeworfen die Leute zu kritisieren oder überhaupt zu kritisieren. (Nun Kritik, ist ein anderes Wort für Analyse. Man sagt also: ich mache meine Arbeit richtig und das sei ja ein Skandal!) Das finde ich dann immer sehr schräg und irgend wie auch eine direkte Beleidigung gegenüber wissenschaftlich-analytischem Vorgehen. Auch kann alles sehr einfach nachvollzogen und überprüft werden. Selbstredend weiß ich von der Psychologie und Bestrebungen von NT’s. Ich bleibe jedoch dabei und fand es doch sehr ehrlich von Rebecca, als sie meinte: den Menschen eher zuzustimmen, weil man sie sich kennt, als auf einer klar nachvollziehbaren Argumentation, erst sein Urteil zu fällen. So lassen sich die Fehlvorstelllungen und Anmaßungen und all die Entmenschlichung herleiten, aber auch die tiefen und gemeinschaftliche Momente die ich bei vielen Aussagen und Handlungen dann als Grundlage sehe und sie ausmache.

    (Manchmal kommt so ein Tag da würde ich mir auch wünschen, die bestehenden Strukturen nicht so durchschauen zu können; nicht diese Vorhersagen machen zu können, die dann leider immer und immer wieder genau so eintreffen wie erkannt. Es muss schön sein, die Welt in so anderen Farben sehen zu können, wie ich sie mir nur malerisch vorstellen kann und gleichzeitig mit nur so wenig Informationen im Leben zurechtzukommen. Dieser Moment hält jedoch nicht lang an. Wenn ich mir die Welt so betrachte und was es alles schönes zu entdecken gibt, wäre es mir ein minderes Maß der Empfindsamkeit und ein Gräuel gegen die eigene Natur anzugehen.)

    Um nun aber auf eure Sendung eingehen zu wollen: ich finde doch die Konstellation recht gut passend und sehr gelungen. Es ist tatsächlich so, dass sich die Dynamik um einiges steigern lässt, wenn mehr als nur zwei Personen einen Podacast produziert. Auch wenn mir nun die ein-oder-andere ‚nicht ganz so weibliche Sicht‘ ein bissel fehlt 😛

    Um aber an euer Beispiel und vor allem von Kali anzuknüpfen (was ich einfach nur deutlich[st] unterschreiben kann), als sie auf ihre eingene Kommunikation zu sprechen kam. Auch mir geht es so, dass ich ohne Problem über mich schreiben, wie auch über mich sprechen kann. Oft habe ich meine Aspi-Züge anderen so beschrieben wie sie in den Diagnosen vorkommen, jedoch ohne je die Eigenschaften vorab von Autismus genauer gekannt zu haben. Lustig sogar, da ich etwa auch Psychologie-, Sozialpsychologie- und Soziologie-Kenntniss besitze und dennoch mich selber nie darin gesehen haben. Damit also keinen Bezug zu mir hergestellt habe.

    Mir fehlt es leider ja nicht an Selbstreflextion und es ist damit nur eine rational Beschreibung. Um mich einem anderen Menschen zu öffnen, braucht es sehr sehr lange und deutlich mehr. Oft einige Jahre.

    Vielleicht ein Funfact zur Freundschaft: Klar hatte ich mich oft schon gewundert. Denn als heterosexueller Mann bekam ich es meist nicht hin, eine Beziehung zu gleichaltrigen und vor allem zu Jungs in meinem Alter aufzubauen. Ich konnte nur mit Erwachsenen eine freundschaftliche Beziehung aufbauen. Oder: Mädels! Ich hatte vielleicht zwei gute Freunde. Meist wissenschaftlich oder Technik interessiert. Alles andere waren immer nur Mädels. Lag einfach daran, dass ich einen simplen Zugang zu ihnen bekam. Was man heute umgangssprachlich als Flirten bezeichnet, konnte ich immer sehr gut. Heute weiß ich natürlich, dass ich das nicht konnte. Das war nur ein Versuch die Mädels abzuscannen und weil ich nun mal nicht lange in die Augen schaute, verwechselten die Damen es mit flirten – psychologisch ziemlich trivial – damit aber eben eine Missdeutung.

    Hatte ich aber mit 12 Jahren dann auch schon verstanden – nicht aber warum ich es machte. War mir auch egal. Denn zu den Damen hatte ich einfach einen Draht und ich liebte tiefsinnige Gespräche. Solange sie den Alltag einnahmen, konnte die Mädels sich darin wiederfinden. Wenn ich jedoch Physik und mit Verbindung der Ontologie über die Welt sprach, waren sie natürlich draußen: das war ihnen dann doch zu logisch und oft zu kompliziert. Wie man sicher aber schon bemerkt, basieren die Zusammenhänge auf kulturellen Vorstellungen der Frauen, nicht auf Verständnis des jeweils anderen. Jungs / Männer mit ihrem übermäßigen Geprahle und Getue lehne ich ab und das machte mich nicht weniger männlich. Das ich Technik und Tiefdenker war, machte mich für die Damen automatisch maskulin. Nicht weil ich die riesen Muskeln hatte, sondern die kulturell-typischen Eigenschaften aufwies. Es gibt eben wenig Frauchen die, wenn sie Wissenschaft hören, sofort an etwas weibliches denken (halte ich zwar für Quatsch, aber Kulturell ist es in den Köpfen oft noch so verankert).

    Das ich eigentlich die Welt verstehen wollte und deshalb anfing zu zeichnen ist bei Frauen ebenfalls ein Pluspunkt (warum weiß ich nicht – war mir auch egal). Auch das Verhalten wurde (wie gerade beschrieben) von den Damen ebenfalls einfach nur falsch gedeutet. Ich male nicht des malen willens allein, sondern um meine Position, Erkenntnisse oder räumliche Vorstellungskraft zu schulen und natürlich, mich im Zeichnen ebenfalls auszuprobieren und zu lernen, wie Körper und Weißraum zueinander im Verhältnis stehen müssen.

    Früher hielten diese Freundschaften auch sehr lang. Manche habe ich 15 oder 20 Jahre gehabt. Doch wie das Leben so spielt, bekommen die Frauen dann Kinder und haben eben ihr eigenes Leben, zeihen weg und so schwinden die Kontakte. Heute finde ich es sehr viel schwerer. Denn sicher braucht es kein Biologie- oder Psychologie-Studium, um zu verstehen, dass es in der Pubertät nicht gerade einfach ist, ein Blick auf eine Frau zu werfen. Welche ist denn die Richtige und wie entscheidet man das? Daher hat mich euere bereitwillige Aussage etwas zurückhaltender werden lassen: ihr würdet eure besten Freunde lieben. Denn mit 40-50 Damen und mindestens 10 Frauen eine tiefere Freundschaft zu pflegen, ist für mich noch einmal etwas anderes, als eine Frau zu lieben. Was (das kann man sich sicher selber gut vorstellen) in der Zeit einer möglichen Partnerwahl, einfach überfordernd sein kann und (zumindest für mich) einen eher mit mehr Fragen zurücklässt wie mit denen man hineingegangen ist.

    Da es jetzt schon zu viel Text ist, macht der Rest nun auch nichts mehr. Viel kann ich damit ja nicht mehr retten. Ich habe euch auf meine Liste gesetzt, da ich einen Podcast machen werde (ist aus guten Gründen noch nicht gestartet aber die Seite schon designed und entwickelt) bei dem es um die Frage geht: „Was ist eigentlich ein Podcast“. Dort lade ich Leute ein, mit denen ich auf die Entdeckungsreise gehen möchte und nach-und-nach gemeinsam erkunden will, was Podcast ausmacht und welche Themen damit transportiert werden können. Dort möchte ich euch gerne vorab mal einladen. Ich denke euer Podcast ist sehr interessant und verspricht einen guten Einblick; nicht nur in das Thema selbst, wie auch in die Möglichkeiten.

    Damit philosophische Grüße an euch drei,
    Micha

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